Nahe
Nahe Wein… echte Typen!
Auf rund 4.100 Hektar kümmern sich 300 Weingüter- und Winzerbetriebe liebevoll um die Weinberge, die in dieser Gegend umgangssprachlich als „Wingert“ bekannt sind. 75% der Rebfläche sind mit weißen Rebsorten bestockt. Der Riesling ist ohne Frage auch in diesem Weinanbaugebiet die unangefochtene Nummer 1. Müller-Thurgau und Silvaner vervollständigen das Trio der wichtigsten Weißweinsorten. Seit einigen Jahren pflanzen die Winzer besonders auf hügeligen Flächen vermehrt Weiß- und Grauburgunder an, die mit ihrer Finesse bereits viele Kritiker überzeugen konnten. Im roten Bereich dominiert der Dornfelder gefolgt vom Spätburgunder, Portugieser und Regent. Insgesamt gibt es aktuell 6 Großlagen und 300 feinstrukturierte Einzellagen rund um die ganze Nahe. Mehr erfahren
Bedeutung des Weinbaus
„Wenn jemand von mir wissen will, wie gut der deutsche Wein sein kann, nehme ich stets den Wein von Hans Crusius als Maßstab.“ – Hugh Johnson im Jahre 1976
Neben dem sanften Grün, den romantischen Flusstälern und den pompösen Felsformationen geben die Weinberge der Nahe den Charm, den sie jeden Tag aufs Neue versprüht – oder besser gesagt: seit 2.000 Jahren! So lange reicht die Weinbautradition bereits zurück. Im Mittelalter betrieben Klöster und Kirchen den Weinbau, da sie zu dieser Zeit über das beste Know-How für den edlen Tropfen verfügten. Sie erkannten bereits damals Lagen, die sich besonders gut für den Weinbau eigneten und bestockten diese mit Weinreben. In diesem Zusammenhang fiel zum ersten Mal der Name „Crusius“ des heutigen gleichnamigen Weinguts, von dem wir unter anderem auch tolle Weine im Sortiment gelistet haben. Auch dieses Weingut kultivierte nicht nur Weinberge, sondern auch Ackerland und Obstplantagen. Im Laufe der Jahre war die Spezialisierung auf eine Kultur unumgänglich, da der Weinanbau und -ausbau Mühe, Kraft und Zeit kostet. Doch der Winzer wird damals wie heute mit weltklasse Weinen für die harte Arbeit belohnt. Da Glasflaschen früher purer Luxus waren, verkaufte man den Wein in Fässern, später auch als „Fasswein“ bekannt. Doch bei so einem kleinen Betrieb ist jeder Liter kostbar, sodass er beinahe ausschließlich in Flaschen abgefüllt wird.
Landschaftsprägung
Wie kann eine Landschaft in Deutschland besonders die Aufmerksamkeit auf sich lenken? Richtig! Wenn sich das Landschaftsbild verändert und es nie monoton wird. Genau damit kann die Naheregion dienen: auf dem sanften Hügelland reifen die Burgundersorten, während die Rieslinge in den Steillagen die typische Säure bilden können, für die sie sehr bekannt sind. Um die zahlreichen Weinberge schlängelt sich die Nahe vorbei an Bad Sobernheim, Bad Münster und der Weinbauhauptstadt der Region: Bad Kreuznach. Doch bis sich die Nahe ihr endgültiges Flussbett gelegt hat bildete sie im Laufe der Jahrtausende Nebenflüsse wie der Ellerbach bei Winterbach, der Guldenbach nordöstlich von Erbach, der Gräfenbach am Westrand von Bad Kreuznach, die Glan und die Alsenz. Die Nahe selbst entspringt im Saarland südwestlich des Bostalsees. Nach 120 Kilometern mündet sie schlussendlich in den Rhein bei Bingen und Rüdesheim. Sie ist die natürliche Grenze zwischen dem Hunsrück und dem nordpfälzer Bergland. Der dominanteste Bodentyp ist der Konglomerat nördlich von Bad Kreuznach, der mit seinen mächtigen Felsformationen die Landschaft prägt. Dieses Gestein siedelte sich vor 280 Millionen Jahren an, als die Naheregion eine Wüste war. Mächtige Regengüsse sorgten dafür, dass der Gesteinsschutt aus dem Hunsrück in die Naheebene verlagert wurde. Dieser verfestigte sich mit der Zeit und erstarrte. Zum Glück war das so! Konglomerat ist leicht erwärmbar und verleiht dem Riesling mineralischen Noten, Pfirsich-, Aprikosen- und Apfelaroma.
Die Weinbergsböden rund um Bad Kreuznach sind sandsteinrot – wahrscheinlich durch die vom Wind entstandenen Sanddünen und bringen elegante, fruchtbetonte Weine hervor. Hinweise auf den früheren Verlauf der Nahe liefern die Sand- und Kiesböden. Während der Eiszeit rissen Bäche die Schneeschmelze, darunter große Mengen an Gesteinsschutt, mit und schwemmten sie am Flussufer an. Sommer zu Sommer schnitten sich die Bäche immer tiefer in den Boden, sodass es heute bis zu 100 Meter hohe Kiesterassen an der Nahe gibt, auf denen der Riesling besonders gut gedeiht. Hier dominieren Aromen von Apfel, Zitrone und Grapefruit. In kaum einer anderen Region wird das Landschaftsbild so sehr von der Bodenart und dem Bodentyp dominiert.
Klima & Boden
„Der Boden ist der Vater des Weines, der Rebstock die Mutter & das Klima sein Schicksal!“ – diese alte Weisheit hat bis heute bei den Nahewinzern oberste Priorität, denn ein bewusster Umgang mit der Natur ist der Schlüssel zu Spitzenweinen.
Durch die abwechslungsreiche Landschaft sind die Winzer zudem mit einem milden, regen- und frostarmen Klima beschenkt worden. Um die obere Nahelandschaft und deren Seitentälern sammeln sich oft kühle Luftmassen, die aus dem Mittelgebirge des Soonwalds, aus dem Hunsrück oder dem Nordpfälzer Bergland kommen. Das führt zu einer späteren Reife der Beeren am Weinstock, da dieser seltener mit warmer Luft versorgt wird als in der unteren Nahelandschaft. Somit kann der Winzer die Trauben im unteren Nahegebiet früher und die in der oberen Naheregion später lesen. Hierbei spricht man in der Weinwelt von einem „längeren Erntefenster“.
Deutschlandweit gesehen hat dieses Anbaugebiet die größte Bodenvielfalt mit mehr als 180 geschätzten Bodenvarianten und zugleich den engräumigsten Wechsel der Bodentypen überhaupt. Im Bereich der mittleren Nahe dominieren Quarz, Porphyr, Melaphyr und Buntsandstein. Um Bad Kreuznach herum stoßt man auf Verwitterungsböden, Tonüberlagen aus Sandstein, fruchtbaren Löss und Lehm.
Aber eines muss beim Naturprodukt Wein stets klar sein: neben der Handschrift des Winzers, die man in seinen Weinen widererkennen kann, prägt auch besonders die Ganzheit der natürlichen Wirkung von Standortfaktoren. Diese beinhalten den Boden, das aktive Bodenleben in der Erde, der Ursprung der Weinrebe, die Lage oder kurz gesagt: das altbekannte Terroir.
Geschichte
Der Fund von Weingläsern und Rebmessern aus römischen Villen in Bad Kreuznach belegt, dass bereits die Römer Reben anbauten und diese zu Wein weiter verarbeiteten. Von 766 existiert eine Urkunde, dass im Dorf Norheim zum ersten Mal Weinbau nach den Römern betrieben wurde. Karl der Große erlies zu Regentschaftszeiten das Gesetz, dass jedes Weingut eine Straußwirtschaft betreiben darf. Im frühen Mittelalter waren es die Mönche der Klöster, die systematisch Weinbau betrieben und über das Wissen der Weinherstellung verfügten. In Wallhausen befindet sich das älteste Weingut Deutschlands, wo heute noch aktiv Weinbau betrieben wird. Um 1500 wurde mit dem Binger Kran auf dem Rheinschiff der erste Nahewein exportiert. Aus derselben Zeit stammen die ältesten erhaltenen Rebstöcke Deutschlands, der „weiße Orlean“ am Südhang des Disibodenbergs. Dieser konnte aufgrund des hervorragenden Standorts und des Terroirs gut überleben. Seit 1971 ist die Naheregion ein eigenständiges Qualitätsweinanbaugebiet.
WWW – Wein. Wellness. Wohlfühlen.
Zur Naheregion kann man noch weitere „W’s“ wie etwa: Wanderwege, Weinfeste, Winzer oder wunderschön hinzufügen und wäre noch lange nicht am Ende. Neben dem Wein wird hier auch Wellness groß geschrieben. In Bad Kreuznach, Bad Münster am Stein und Bad Sobernheim kann man sich mit solehaltigem Wasser an Heilquellen verwöhnen oder in der Sauna oder einem Lehmbad einfach die Seele baumeln lassen. Für die Abenteuerlustigen hat die Naheregion auch einiges zu bieten – etwa am Rotenfels als höchste Steilwand nördlich der Alpen in Deutschland zu klettern. Oder wie wäre es den 100 Kilometer langen Weinwanderweg Rhein-Nahe im Naturpark Soonwald-Nahe zu erkunden? Selbstverständlich nicht an einem Tag, versteht sich.