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Argentinien

Ein Weinland im Aufschwung

Mit 220.000 Hektar hat Argentinien nicht nur doppelt so viel Rebfläche wie Deutschland, sondern ist auch größer als das etwas bekanntere Weinland Chile. Viele denken, dass es bei diesen zwei südamerikanischen Ländern genau umgekehrt sei. Doch Argentinien hat seit dem Milleliumswechsel in den ersten 12 Jahren 10% Rebflächenwachstum verzeichnet. Dabei ist die Pflanzung der weißen Rebsorten stagniert, während der Fokus ganz klar auf der Erweiterung des Rotweinanbaus liegt. Die Produktion von den europäischen Rebsorten Malbec, Bornada und Cabernet Sauvignon hat sich beinahe verdoppelt. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von 24 Litern zeigt, dass der Wein durchaus mundet (selbstverständlich sind darin auch ausländische Weine mit einbezogen). Allerdings werden auf einem Zehntel der Rebfläche Tafeltrauben kultiviert. 4.000 Hektar werden für die Rosinenprouktion verwendet. 5% der weltweit produzierten Weinmenge wird hier angebaut. Während viele Europäer Ende des 19. Jahrhunderts mit dem bisher bedeutensten Schädling des Weinbaus, der Reblaus, zurechtkommen, blieb Argentinien weitgehend verschont. Die Reben sind sehr alt und haben dadurch bereits tiefe, meterlange Wurzeln gebildet. In solchen Tiefen, bei diesen sandigen Böden und intensiven Bewässerungstechniken fühlt sich die Reblaus nicht wohl. Doch wenn die Winzer heute ihren Weinberg neu bestocken verlassen sie sich nicht mehr auf das Glück: sie greifen immer mehr zu gepfropften Reben, um ein totales Absterben der Weinberge zu vermeiden. Die Lese beginnt auf der Südhalbkugel im Februar. Je nach geographischer Lage ist es keine Seltenheit, dass die Winzer im April noch ernten. Mehr erfahren



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Wo kommt das Wasser her, wenn nicht von oben?

Der Weinbau zentriert sich im Westen des Landes entlang der Landesgrenze zum benachbarten Chile bis zu den Anfängen der Anden in Bolivien. Salta, San Juan, Mendoza und Co. haben das große Privileg entlang der längsten über dem Meeresspiegel befindlichen Gebirgskette der Erde zu verlaufen. Wieso denn das? Weil die Tageshitze durch die Höhe und Nähe zu den Anden gemildert wird. Inmitten des Landes liegen die Weinregionen La Pampa und Río Negro, die sich von den anderen geographisch gesehen etwas abgrenzen. Überall sorgt das semiaride Klima für eine ausreichende Differenz zwischen Tages- und Nachttemperaturen. Die Meteorologen sprechen von einem semiariden Klima, wenn das Gebiet von einer Trockenzeit geprägt ist. Dabei gibt es etwa drei bis fünf feuchte Monate. In Argentinien bricht im Winter meist eine Kälte ohne frostige Tage ein. Die verschiedenen Jahreszeiten lassen sich klar voneinander abgrenzen. Die Tagestemperatur unterscheidet sich bis zu 15°C von der Nachttemperatur. Dabei liegt die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur bei 18°C. Zum Vergleich: die Temperatur der deutschen Weinanbaugebiete liegt meist bei 10°C.

Zwischen dem 25. Und dem 40. Breitengrad fällt der Niederschlag sehr gering aus. Logisch ist dann auch die Schlussfolgerung, dass die Luftfeuchtigkeit auch nicht besonders hoch ist. Die Niederschläge, die dann in den Weinbergen ankommen, fallen meistens im Sommer. Dabei können nach einer Hitzewelle Gewitterzellen entstehen, die es in sich haben, Ähnlich wie in Deutschland. Oftmals bilden sich Hagelkörner mit einer stattlichen Größe. Um potentielle Hagelschäden zu minimieren, schützen die Winzer ihre Weinstöcke mit Hagelnetzen. Eine andere Möglichkeit ist die Weinberge so zu verteilen, dass nicht alle Parzellen betroffen sein können. Allerdings muss der Winzer erst einmal so eine Flächenauswahl haben.

Die Böden sind sandig, grob und fein, gut wasserdurchlässig und schnell erwärmbar. Die mineralreichen Andenschotter sind auch völlig trocken. Staunässe nach einer Regenperiode ist hier also kein Problem. Jedoch kann der Boden das Wasser nicht halten, sodass Trockenstress durchaus ein Problem werden kann. Das bedeutet, dass die Rebe eine Zeit lang nicht mit genügend Wasser versorgt wird. Irgendwann folgt der permanente Welkepunkt, bei dem die Rebe jegliche Kraft und Wasseraufnahmefähigkeit verliert. Um so ein Szenario zu vermeiden, nutzen die Winzer das Wasser aus den Flüssen und leiten es durch Bewässerungssysteme an die Weinberge weiter. Río Calchaquí und Río Santa Maria sind Flüsse in den Provinzen Salta, Tucumán und Catamarca. Wenn das Wasser von dort nicht ausreicht, da die Flüsse nicht leergelegt werden sollen, wird Brunnenwasser eingesetzt.

Weinbau entlang der Anden

Argentinien zählt in der Weinbranche zur „neuen Welt“. Das bedeutet, dass der Weinbau stetig wächst, was vor allem die Fläche des Weinbaus betrifft. Die Qualität wird zudem als wichtiger Punkt hinzugezogen, damit die Weine auf dem Weltweinmarkt mitspielen können. Weitere Länder, die außerhalb der traditionellen Weinanbaugebiete Europas Wein produzieren, sind Australien, Chile, Neuseeland, Südafrika oder die USA.

Entlang des Ausläufers der Anden im Westen des Landes spielt der Weinbau auf einer Strecke von 1.750 Kilometer Länge und 100 Kilometer Breite eine wichtige Rolle. Selbstverständlich stehen nicht überall Weinberge, allerdings reihen sich dort die bedeutendsten Weinregionen aneinander. Vom Norden nach Süden ins Landesinnere verlaufend sind Salta, Catamarca, la Rioja, San Juan, Mendoza, Neuquén und Río Negro wichtige Weinbauprovinzen. Auf die Flächengröße bezogen spielen Cordoba, Buenos Aires, San Luís, La Pampa, Tucúman, San Luis, Chubut, Entre Ríos, Santiago del Estero, Misiones oder Jujuy nicht so eine große Rolle.

Mendoza, San Juan und San Luis haben sich zur Region Cuyo mit der regionalen Hauptstadt Mendoza vereint. Nuevo Cuyo zählt dabei La Rioja und Catamarca dazu. Das Hauptinteresse in der Zusammenschließung liegt dabei auf dem gemeinsamen Interesse des Weinan- und ausbaus. Dass der Weinbau die Cuyo-Region zu einer wohlhabenden Gegend aufsteigen lies, ist kein Geheimnis. Zur Großregion Patagonien zählen Chubut, La Pampa, Neuquén, Río Negro, Santa Cruz und Tierra del Fuego.

Die touristischen Herzstücke der Provinz Salta bildet Cafayate, Santa María und Colomé inmitten der Valles Calchaquíes – einer Kette zusammenhängender Täler am Ostabhang der Anden. Der Name der Provinz wird mit einem „(…) schönen Platz, angenehm um sich anzusiedeln (…)“ übersetzt und trägt den Beinamen „La Linda“, was „die Schöne“ heißt. Dabei sind 2.500 Hektar Weinberge auf 520 Kilometern verteilt. Dank der Anden reifen die Trauben in einer Höhe von 1.500-2.000 Metern in den höchstgelegenen Weinbaugebieten der Welt entlang des südlichen 25. Breitengrades. Hier werden 70% des Weines der Provinz Salta erzeugt.

Eingebettet zwischen Bergen und Schluchten ist Cafayate ein majestätischer Ort: die Iguazú- Wasserfälle der Garganta del Diablo, also der Teufelsschlund, verdeutlichen die Schönheit und gleichzeitig die enorme Kraft unserer Erde. Gleichzeitig scheint es, als ob die Berge Tres Cruces und Morales Cafayate Schutz bieten.

Wiege des Malbec

Eines ist sicher: der Malbec hat hier internationales Niveau erreicht. Auch die weiße, typische argentinische Rebsorte Torrontés braucht sich keinenfalls verstecken. Bis in die 90er Jahre haben hellrote Sorten wie Criolla grande, Criolla chica oder Sereza als hellrote Sorten den Sortenspiegel dominiert. Als Missionstrauben sorgten sie während der Kolonialzeit praktisch für den einzig trinkbaren Wein. Im Laufe der Jahre erhöhte sich die Anzahl der angepflanzten Rebsorten stetig. Grund dafür waren die diversen Einwanderungswellen, die ihre eigenen, ja „heimischen“ Rebsorten kultivieren wollten. Allerdings mussten diese für die Qualitätsweinsorten weichen. Diese haben sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Damit die Traube etwas argentinisch klingt, benannten die Argentinier oft die Rebsorte kurzerhand um: aus einem Sauvignon Blanc wurde ein Tocai Friulao. Die aus dem Piemont stammende Rotweinsorte Bornada wird auf rund 18.000 Hektar angebaut. Malbec übertrifft italienische Traube mit 5.000 Hektar im Anbau. Das intensive und wertgeschätzte Charakterbild sorgt für ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Weltmarkt. Daher mussten einige Weinbauflächen zu Gunsten des Malbec weichen. Argentinien wurde mitunter wegen dieser Rebsorte bekannt.

Der aus dem französischen Bordeaux stammende Cabernet Sauvignon steht auf einer Rebfläche von 16.900 Hektar. Die Winzer aus Mendoza, Salta und Co. sind der Meinung, dass es diesem Weintypen an Frucht, Struktur und Finesse fehlt. Als perfekter Symbiosepartner eignet sich Malbec und Syrah. Sie nutzen den ursprünglichen Gedanken des Cuvée: eine Zusammenlegung zweier Weine, die sich mit ihren jeweiligen Charaktereigenschaften hervorragend ergänzen. Der von der französischen Rhône stammende Syrah ist auf einer Fläche von 11.670 Hektar vertreten.

Um die Qualität zu erhöhen, reduzierten die Winzer den Ugni Blanc. Seine großen Trauben versprechen hohe Erträge. Allerdings fehlt es den Weinen oft an wichtigen Extrakten und Inhaltsstoffen, die den Wein besonders machen. Diese Rebsorte wird heute lediglich auf 1% der Rebfläche angebaut. Für frische und blumige Weine mit einem Aroma, welches an die Muskateller-Traube erinnert, ist der Torrontés Riojano bekannt und wird auf auf 8.100 Hektar angepflanzt. Ebenfalls vertritt Chardonnay Europa mit 5.150 Hektar. Wo er früher lediglich zur Schaumweinherstellung genutzt wurde, findet man ihn heute immer öfter als Wein ausgebaut.

Klasse statt Masse!

Argentinien belegt hinter Italien, Frankreich, Spanien, den USA und China den sechsten Platz der flächenmäßigen Weinbauproduktion. Bis vor 20 Jahren produzierten die Winzer Massenweine, was sich seit den Anfängen der 90er Jahre geändert hat. Dadurch erlangten einige Regionen den DOC oder IG Status, was ein Qualitätsversprechen der produzierten Weine ist.

1.600-2.000 Rebstöcke pro Hektar sind für argentinische Verhältnisse keine Seltenheit. Damit hat jede Rebe einen Standraum von 5-6m2. Die Triebe und Trauben hängen dabei wie ein Dach in zwei Metern Höhe. Diese Reberziehung heißt Parral-cuyuno- Spalier. Im Vergleich: in Deutschland stehen auf der gleichen Fläche 5.000- 8.000 Weinstöcke.

Ein Viertel der Rebfläche gehört den großen Betrieben. Das liegt daran, dass früher zahlreiche Großgrundbesitzer auf riesigen, aneinander liegenden Flächen das Sagen hatten. Mit seiner Größe nimmt Argentinien viel Fläche des südamerikanischen Kontinents ein: das Land ist rund viermal so groß wie Frankreich!