Italien
Bardolino wird mit Venetien in Verbindung gebracht, das Piemont steht zu seinem Barolo, in der Toskana ist der Chianti nicht wegzudenken, der feurige Lambrusco gehört zu Emilia Romagna wie kein anderer, der Pinot Grigio verzaubert Venetien und der Prosecco sorgt für Momente zum Anstoßen… Diese berühmten Vertreter Italiens sind auf der ganzen Welt bekannt. Doch wussten Sie, dass im Süden ein aufstrebender Stern schlummert? Oder etwa, dass jedes Fleckchen Italiens quasi zu einer Weinregion dazuzählt? Mehr erfahren
Größter Weinproduzent der Welt
Mit durchschnittlich 60 Millionen Hektolitern gekeltertem Wein ist Italien derzeit weltweit der größte Produzent von Wein. Der Weinkonsum in Italien liegt bei 60 Litern pro Person und Jahr. Das zeigt, dass Wein zum Alltag in Italien gehört. Allerdings war diese Zahl bereits höher. Der Konsum ist rückläufig. Von den 856.000 Hektar Rebfläche sind mehr als ein Drittel DOCG- und DOC-Weine. Knapp 30% werden als IGT-Weine vermarktet.
Mittelmeer und Gebirge beeinflussen das Klima
Es erklärt sich von selbst, dass auf 1.200 Kilometern entlang des Stiefels unterschiedlich Klimabedingungen anzutreffen sind. Da Italien beinahe komplett vom Mittelmeer umgeben ist, ist das in den meisten Gebieten der dominierende Faktor. Im Norden hingegen dominieren die Gebirgsketten die Landschaft. Zudem schirmen sie den kompletten Stiefel von Schlechtwettereinflüssen ab. Innerhalb des Landes verlaufen die Apenninen bis hin zur Spitze in Kalabrien. In jedem einzelnen Weinbaugebiet bestätigt sich: die Premiumweine sind meist auf Hanglagen angepflanzt. Wenn dort kein Wein angepflanzt wird, wird die Fläche meistens für den Olivenanbau genutzt.
Statt der Masse hin zur Flasche…
In den insgesamt 21 italienischen Weinbauregionen denken einige Winzer seit geraumer Zeit um: Sie möchten weniger Fasswein produzieren. Stattdessen soll in Zukunft der Fokus auf dem Flaschenwein liegen. Das heißt, dass die Winzer selbst ihren Wein abfüllen, hinter ihrem Produkt voll und ganz stehen und sich auch um die Vermarktung kümmern. Schließlich sind in jedem Weinbaugebiet Schätze verborgen, die bis dato noch nicht entdeckt wurden.
Die meisten Weine stammen aus den großen Weinbaugebieten Apulien, Sizilien, Latium und Venetien. Südlich von Po liegt das Weinbaugebiet Emilia Romagna, welches als sehr fruchtbar gilt und den Winzern Jahr für Jahr hohe Ernteerträge liefert. Die Toskana hingegen ist mit ihrem Chianti wohl das Aushängeschild Italiens. Der Wein aus den Sangiovese-Trauben überzeugt im DOC- als auch DOCG-Status. Zudem gehört das Gebiet zum Netzwerk der Great Wine Capitals wie etwa Mainz für Deutschland. Die „Supertoskaner“-Weine, die aus Cabernet-Trauben hergestellt werden, prägen neben dem Chianti den Ruf der Toskana. Das Piemont fokussiert sich ebenfalls auf die Produktion vom Rotweinen, genauer gesagt auf die aus der Barolo-Traube. Die Aufmerksamkeit lenkte sich in den 80er Jahren auf das Weinbaugebiet, als schwere Rotweine stark nachgefragt wurden. Der „König der Weine“ und „Wein der Könige“ hat besonders spezielle Reife- und Lageranforderungen. Die Reife muss mindestens 38 Monate betragen, davon 18 Monate im Holzfass. Ein Barbaresco wird aus Nebbiolo-Trauben gekeltert und gilt als der kleine Bruder des Barolos. Der Vinifizierungsprozess ist auf 26 Monate festgelegt worden, davon muss der Wein 9 Monate lang im Holzfass gelagert worden sein.
In Süditalien schlummert der Stern des Südens. Die Rede ist von Sizilien. In keiner anderen südlichen Weinregion bauen so viele Top-Produzenten nebeneinander ihre Weine an wie hier. Aus diesem Grund wurde 2013 das DOC Sizilien eingeführt. Neben Weinen dürfen auch Ölproduzenten diesen spezifischen Begriff benutzen. Besonders der Nero d’Avola, der mit Kirsch-, Brombeer- und Cassisaromen überzeugt, kristallisiert sich als Repräsentant für dieses Weinbaugebiet heraus. Die Rotweine von den sizilianischen Steilängen am ehemaligen Berg Etna Rosso sind durch die mineralischen Lavaböden unverkennbar. Hinzu kommt, dass die dort vorherrschenden Rebsorten Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio fast ausschließlich auf Sizilien angebaut werden. Die Weißweine belegen zwei Drittel der sizilianischen Rebfläche, angeführt durch Grillo, Zibbibo und Cataratto.
Einzigartige Vielfalt an Rebsorten
Durch die jahrtausendalte Weingeschichte verfügen die Winzer über ein außerordentlich großes Repertoire an Rebsorten, deren genau Zahl lediglich geschätzt werden kann. Über 1.000 Rebsorten werden heutzutage in über 300 verschiedenen geographisch anerkannten Bereichen angebaut. Dabei stellt jede Region ihre eigenen strengen und kontrollierten Regeln für den Weinausbau auf. Da dieses Regelwerk viele Winzer abschreckt oder sie in der Vinifikation zu sehr einschränkt, lassen sie ihre Weine nicht klassifizieren. So kommt es, dass eine hohe Anzahl der besten Weine keinen DOC- oder DOCG-Status haben und dadurch Geheimtipps sind und bleiben.
Die 10 häufigsten angebauten Rebsorten führt die weiße Rebsorte Trebbiano mit fast 12% an, gefolgt vom Sangiovese mit einem Zehntel. Danach folgen Barbera, Merlot, Negro Amaro, Montepulciano, Primitivo, Dolcetto, Glera und schließlich dem weißen Burgunder, welcher in Italien „Pinot Bianco“ heißt.
Das romanische System
Das 1963 geschaffene DOC-Klassifizierungssystem ist ein Instrument in der Weinbranche hinsichtlich der Produktion und der Qualität. Das Bezeichnungssystem ist in vier unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. Die Tafelweine, wie es sie auch in Deutschland gibt, werden unter dem italienischen Synonym „Vino di Tavola“, kurz „VdT“, geführt. Hierbei werden weder Gebiet, noch Rebsorte oder Jahrgang angegeben. Um wie bereits erwähnt den starren Vorschriften aus dem Weg zu gehen, werden einige der besten Weine Italiens unter Phantasienamen in den Verkauf gebracht. Der deutsche Landwein ist mit der nächsthöheren Stufe „Indicazione Geografica Tipica“, kurz „IGT“, gleichzustellen. Die meisten dieser Weine sind alltägliche Tischweine. Auch hier verbergen sich Weine mit DOC- und DOCG-Qualität, die als solche offiziell nicht anerkannt werden. Schließlich werden sie entweder aus nicht regionstypischen Rebsorten gekeltert oder sie werden nicht unter traditionellen Methoden hergestellt.