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Portugal

Kunterbunte Ordnung

Ein Land so bunt wie seine Weine! Portugal hat viele Schätze. Hier wachsen zahlreiche autochthone Rebsorten, von denen jede ihren eigenen Charme versprüht. Nach dem Ausbau im Keller werden sie in Flaschen abgefüllt, die mit farbenfrohen Etiketten das portugiesische Lebensgefühl transportieren. Die Ordnung und der Schutz der Herkunft sind die oberste Maxime – aus diesem Grund gab es hier die erste Lagenklassifizierung weltweit. Mehr erfahren



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Weinbau als bedeutender Wirtschaftszweig

Auch, wenn die geographische Fläche von Portugal kleiner als Deutschland ist, so ist die Weinbaufläche mehr als doppelt so groß. Stolze 239.000 Hektar machen Portugal flächentechnisch gesehen zum siebtgrößten Weinerzeuger weltweit. Mit jährlich 6-7 Millionen Hektoliter Weinerzeugung liegt Portugal hinter Deutschland, wo 9 Millionen Hektoliter pro Jahr erzeugt werden. 15% der Bevölkerung lebt vom Weinbau, weshalb der An- und Ausbau auch heute noch ein wichtiger Wirtschaftszweig für das Land ist. Mehr noch, die Produktion ist in den letzten fünf Jahren und beinahe 10% angestiegen. Dieses enorme Wachstum ist nicht nur auf den inländischen Konsum zurück zu führen, der bei 43 Liter pro Kopf und Jahr liegt: im Ausland werden portugiesische Weine ebenso gerne getrunken.

Zwei Kontraste: frisch und heiß

Da Portugal nah am atlantischen Ozean und Mittelmeer liegt, entstehen unterschiedliche Klimata in den Weinbauregionen. Die feuchte und kühle Meeresbrise ist besonders im Süden und Westen des Landes ausgeprägt, wo die beiden Meere auf Festland treffen. Hier werden vorzugsweise weiße Rebsorten angebaut, die nach der Lese zu frischen Weißweinen ausgebaut werden. Im Landesinneren, wo es wärmer und trockener wegen der kontinentalen Einflüsse ist, liegen optimale Anbaubedingungen für schwere Rotweine vor. Hier staut sich die Wärme, die Photosyntheseleistung steigt. Dadurch lagert die Rebe mehr Zucker in die Beeren ein, was wiederrum bei der Gärung zu höheren Alkoholgehalten führt.

Einzigartig in der Vielfalt!

Die portugiesische Rebfläche ist in 5 Weinbauzonen mit über 40 Qualitätsweinanbaugebieten aufgeteilt. 31 davon genießen den DOC-Status (besser gesagt den Denominacao de Origem Controlada-Status), der auch in Spanien oder Frankreich für die Klassifizierung der Weine verantwortlich ist. Allerdings hat Portugal weltweit die meisten kontrollierten Ursprungsbezeichnungen von Weinbergen eines Landes zu verzeichnen. Die neue europäische Bezeichnung DOP, also Denominacao de Origem Protegida, schreibt zulässige Traubenproduktionen und die Vielfalt der erlaubten Rebsorten vor. In 14 Regionen wird zudem Landwein, also Vinho Regionais, erzeugt. Das wiederrum ist eine geschützte geographische Indikation der EU. Selbst heute noch werden neue Richtlinien und Gesetze verabschiedet, die den portugiesischen Weinbau einschränken und schützen sollen.

Die Vinho Verde Region liegt im Nordwesten Portugals und grenzt an den Atlantik. Daher ist es naheliegend, dass die Region kühl und extrem regenreich ist. In Kombination mit den sandigen Granitböden sind fruchtbare Bedingungen für den Weinbau geschaffen: aus diesem Grund reifen hier Trauben, die zu frischen Weinen weiterverarbeitet werden.

Zwischen Spanien im Osten und dem Vinho Verde Tal im Westen liegt wohl die bekannteste portugiesische Weinbauregion: das Douro-Tal. Dieses wurde nach dem gleichnamigen Fluss benannt, der sich in der Nähe von Porto befindet. Die Trauben für den Portwein wachsen östlich von Porto am Douro-Fluss auf Schiefer- und Granitböden. Die Böden speichern etwas Wasser, was den Rebwurzeln in den heißen Sommern zu Gute kommt. Die steilen Weinberge erwecken den Anschein, als ob sie aus dem Fluss entspringen und bis in den Himmel hineinragen.

Um die Stadt Águenda liegt das Weinbaugebiet Bairrada, wo schwere Rotweine aus der Baga-Traube gekeltert werden. Die Beira-Region beheimatet das Anbaugebiet Dao, was nördlich der Serra da Estrela, dem höchsten Gebiet Portugals, liegt. Hier sind terrassierte Weinberge angepflanzt, soweit das Auge reicht. Der Küstenstreifen Estremadura bei Lissabon ist von atlantischem Klima und sandigem Boden geprägt. Der Weinstil ist frisch.

Die Atlantikinsel Madeira ist für ihre gleichnamigen Likörweine bekannt und als geschützte Herkunftsbezeichnung (DOP) bekannt. Ein Madeira wird so mit hochprozentigem Alkohol aufgespritet, dass er letztendlich einen Alkoholgehalt zwischen 17-22 Vol.% aufweist.

Castas und Colares – typisch Portugal!

Portugal ist die Heimat von über 500 autochthonen weißen und roten Rebsorten, den sogenannten „Castas“, von denen die Hälfte bis heute erhalten ist. Colares hingegen sind wurzelechte europäische Rebstöcke, die nördlich von Sintra nahe der Atlantikküste gepflanzt sind. Die Reblaus als wichtiger und bedeutender Schädling im Weinbau kann in sandigen Böden nicht überleben und daher auch keinen Schaden an den europäischen Wurzeln verursachen. Normalerweise müssen die europäischen Rebsorten mit amerikanischen Wurzeln veredelt werden, um einen nochmaligen Ausbruch von diesem bedeutenden Schädling zu verhindern.

Die Palette der roten Rebsorten ist groß. Es gibt Alfrocheino, Trincadeira, Tinta Amarela, Baga, Castelao Francês und Touriga Francesa. Die wichtigsten unter ihnen sind: Tinta Roriz und Touriga Nacional. Sie nehmen eine besondere Stellung ein. Tinta Roriz ist auch als Aragonês bekannt, die Spanier hingegen kennen Sie unter dem Namen Tempranillo. Diese Rebsorte ist noch auf weltweitem Eroberungszug, da erst mit der Zeit das große Potential entdeckt wurde: kräftige, lebendige und rotfruchtige Aromen beschreiben einen klassischen Tinta Roriz. Als kleiner „Alleskönner“ passt sich die Rebe an unterschiedliche Wetter- und Bodenbedingungen an, bevorzugt allerdings heiße und trockene Klimata sowie sand- und lehmige Kalkböden. Touriga Nacional hingegen wird als Cuvée mit dem Tinta Roriz oder sortenrein ausgebaut. Sensorisch ähnelt diese Rebsorte dem Pinot Noir, Cabernet Sauvignon und Nebbiolo mit Himbeer-, Kräuter- und Lakritzaromen. Die Sorte erzeugt wenig Ertrag pro Jahr, ist dafür aber in den meisten DOC-Anbaugebieten vertreten. Die dicke Beerenhaut ist ein Schutz gegen Pilze, da diese schlechter durch dickere Beerenhaut eindringen können. Weiterhin sind alle farbgebenden Stoffe in der Beerenhaut lokalisiert, was für eine extrem kräftige Farbe sorgt.

Im weißen Bereich steht der Alvarinho an erster Stelle, besonders im Vinho Verde. Vor allem um Moncao und Melgaco liegt das Herz des Anbaugebiets, wo die Weine kräftiger und alkoholreicher sind als in anderen Gebieten. Mineralische, blumige oder tropische Noten sind mit dieser Sorte möglich, je nach Anbau im Weinberg und Ausbau im Keller. So bringt ein Alvarinho ein hohes Reifepotential mit sich. Die Rebstöcke sind klein, dafür aber robust: viel händische Arbeit ist nötig, um das übermäßige Wachstum im Zaum zu halten. Der Ertrag ist gering, was auch an den kleinen Beeren liegt. Die zweitwichtigste weiße Rebsorte ist Arinto, auch unter dem Synonym Pederna bekannt. Zitronige, mineralische und knackige Noten prägen hier das Bouquet. In Portugal ist die Sorte als Allrounder bekannt und wird aus diesem Grund in den meisten Regionen angebaut. Auch bei heißen Wetterbedingungen bleibt der Beere die Säure erhalten, was normalerweise nicht der Fall ist. Daher ist der Arinto ein beliebter Partner für Weine, deren Säuregrade nicht in dem gewünschten Bereich liegen. Für Schaumweine eignet er sich ebenso besonders gut, da die Säure nach der zweiten Gärung der traditionellen Flaschengärungsmethode noch spürbar ist. Weitere bedeutende weiße Rebsorten sind Avesso, Azal, Bical, Enrcuzado, Loureiro und Verdelho.

Das Land hat Kork?

Portugal ist Weltmarktführer in der Korkproduktion. Aus diesem Grund kommen viele Naturkorken, die als Verschluss von Weinflaschen dienen, vom portugiesischen Festland. Um das in Zahlen zu verdeutlichen: 31% der weltweiten Korkeichenbestände stehen hier. 190.000 Tonnen Korken werden pro Jahr produziert, was 51% der Weltproduktion entspricht. Auf der Insel Madeira reift der gleichnamige weltweit berühmte Süßwein. Er wird so aufgespritet, dass der Alkoholgehalt zwischen 17 und 22 Vol.% liegt.

Zum Verständnis: eine kleine Übersetzung.

Weingut heißt hier „Quintas“ und Weinkellereien sind unter „Caves“ bekannt. Auf Weinflaschen, deren Weine jung getrunken werden sollen, steht „Verdes“. Reife Weine sind „Maduro“ und lange, gelagerte Spitzenweine „Garrafeiras“.